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Brücke über den Ölhafen

Projekt:
Brücke über den Ölhafen
Zuständigkeit:
Interkommunale Maßnahme, Federführung Gemeinde Raunheim
Zeitplanung:
Planungsbeginn November 2009; Baubeginn 2011; Fertigstellung Mai 2013
Zielgruppe:
Alle Bürger der Region und Tagestouristen
Zielsetzung:
Ausbau der regionalen Radwege
Beteiligung:
Im Rahmen der allgemeinen Beteiligungsveranstaltungen zum Interkommunalen Stadtumbau
  • Blick auf die Ölhafenbrücke nach Westen

    Blick auf die Ölhafenbrücke nach Westen

  • Ölhafenbrücke wird eröffnet

    Die Eröffung im Mai 2013

  • Blick in die Spindel

    Ein Blick in die "Spindel"

Projektbeschreibung

Der Main und die angelagerten Freizeit- und Erholungsflächen im Mainvorland sind die räumlich verbindenden Elemente der interkommunalen Kooperation der Städte Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu Schiff bekräftigten Bürgerinnen und Bürger der Region den seit rund 20 Jahren andauernden Wunsch nach einer Brücke über den Ölhafen.

Die Maßnahme wurde von den Stadtverordnetenversammlungen der drei Kommunen sowie der Interkommunalen Lenkungsrunde bereits zum Start der interkommunalen Kooperation partnerschaftlich als wesentliches Initialprojekt beschlossen.

Der „Brückenschlag“ am räumlich verbindenden Element der Freizeit- und Erholungszonen am Mainufer hat eine große symbolische Wirkung. Bereits zur Auswahl des Projekts wurde betont, was bis heute gleichermaßen gilt und auch entsprechend in den Integrierten Handlungskonzepten niedergelegt ist: Die Stärkung der Freizeit- und Erholungsfunktion entlang der Regionalparkrouten am Main ist ein wesentliches Ziel des interkommunalen Stadtumbaus. Zum einen um das Touristenpotenzial der Mainuferroute für die Kommunen stärker zu binden und somit die lokale Ökonomie aller drei Städte zu stärken, zum anderen, um das Image der Partnerschaft als attraktive Standorte des Wohnens, Lebens und Arbeitens in der Region positiv zu prägen.

Die Brücke über die Hafeneinfahrt zum Tanklager in Raunheim schließt nun die Lücke im überregionalen Radweg R3. Gleichzeitig ist dieses Stück Teil der Regionalparkroute und der Route der Industriekultur. Zudem stellt die Brücke die südliche Radwegeanbindung zwischen Mainz und Frankfurt dar.

Bau der Ölhafenbrücke im Zeitraffer



Regional wichtige Radwegeverbindung

In enger Abstimmung zwischen der Stadt Raunheim, den Planern, den entsprechenden Behörden und Akteuren wurde unter der Moderation durch das Stadtumbaumanagement der NH ProjektStadt die Brücke entwickelt und gebaut. Insbesondere die kontinuierliche und frühzeitige Einbindung und Abstimmung aller relevanten Akteure war eine wesentliche Voraussetzung zur Projektrealisierung.

Die Anforderungen der Akteure haben den Bauwerksentwurf maßgeblich geprägt und verleihen ihm seine unverwechselbare Gestalt. Alle Beteiligten zeigten einen sehr hohen Anspruch an Form und Funktionalität und zugleich einen starken Willen, diesem, trotz der vielen Herausforderungen, gerecht zu werden. Nur so konnte dieses Bauwerk seine einzigartige Gestaltung erhalten und das Leuchtturmprojekt der interkommunalen Zusammenarbeit werden.

Die Ölhafenbrücke ist deutschlandweit das erste Brückenbauwerk über einen Ölhafen und stellt auch für das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ ein wegweisendes landesweites Vorbildprojekt dar. Die Brücke ist barrierefrei gestaltet und integriert alle Belange von Mobilität, Sicherheit, Naturschutz, Einbindung in den Landschaftsraum und Gestaltung an dieser sensiblen Schnittstelle zwischen Main, Ölhafen und Radweg.

 

  • 185 Tonnen Stahl auf Ihrem Weg in die Lücke

  • Bürgermeister Manfred Ockel und Dennis Hofmann beim Einheben

  • OB Burghardt beim Interview mit Reportern vom HR

  • Das Mittelteil nähert sich seiner Position

  • Die Brücke ist in Position

  • Transportwagen befördern das Mittelteil zum Schwimmkran

  • Viele Zuschauer lockt das Einheben an die Ölhafenbrücke

  • Ankunft der Brückenabschnitte

  • Luftbild mit Visualisierung

  • Bürgermeister Manfred Ockel und Jochen Brune Tiefbauamtsleiter Raunheim

  • Mittelteil

  • Mittelteil

  • Mittelteil

  • Rollvorgang aus der Sicht der Zuschauer

  • Zuschauer beim Brückeneinheben

Gemeinsame Finanzierung

Besonders bemerkenswert ist, dass die drei Kommunen beschlossen haben, interkommunale Maßnahmen gemeinsam zu finanzieren und den kommunalen Eigenanteil zu gleichen Anteilen zu tragen. Somit beteiligen sich alle Partnerkommunen gleichermaßen an regional wichtigen Projekten, von denen sie gemeinsam profitieren. Im Falle der Brücke beträgt der kommunale Eigenanteil für jede der drei Kommunen ca. 600.000 Euro. Ein derartiges interkommunales Handeln auf freiwilliger Basis ist ein Alleinstellungsmerkmal der Kooperation sowie der Maßnahme.

Die Komplexität des Projekts und der bauliche Innovationsgehalt ergeben sich insbesondere aus den Anforderungen des Tanklagers, der Durchfahrt der Tankschiffe zum Ölhafen, der Lage im Retentionsraum des Mains und den Nutzungsanforderungen durch Fußgänger, Radfahrer inklusive der geforderten Barrierefreiheit.

Es wurde von Beginn an die Problematik der Sicherheitsanforderungen durch die Tankschiffeinfahrten und den Verlade- bzw. Löschbereich des Ölhafens im Bauwerksentwurf berücksichtigt, wobei der Schutz vor Brandgefahr im Vordergrund steht. Sowohl dem geforderten Überwurfschutz gegen brennbare Gegenstände zum Ölhafen als auch zur Hafeneinfahrt konnten durch die gewählte L-förmige Querschnittsform des Bauwerks entsprochen werden. Zum Ölhafen hin erhebt sich das vertikale Konstruktionselement (stehender Teil des L-förmigen Querschnitts) des Brückenmittelteils und bietet einen klar definierten Überwurfschutz durch eine bis zu drei Meter hohe Rückwand. Zum Main hin öffnet sich das Bauwerk. Hier erfüllt die Verlängerung der horizontalen Konstruktion (waagerechter Teil des L-förmigen Querschnitts und zugleich Verkehrsfläche) in Kombination mit einem Geländer die Anforderungen an einen Überwurfschutz zur Mainseite hin. Das wirbelsäulenartig ausgebildete Verbundbauwerk des Stahlbauteils verleiht der Brücke ihre Steifigkeit. Die auf der Nordostseite ausgeführte Spindel führt die Nutzer auf kurzer Strecke herunter, womit das Risiko vermindert wird, brennende Gegenstände in das sich anschließende Tanklager zu werfen.

Die Anforderungen durch die Untere Naturschutzbehörde, nach möglichst geringem Verlust von wertvollem Retentionsraum im Mainvorland, konnte durch die vergleichsweise niedrige Position der Verkehrsfläche innerhalb der Konstruktion und die somit geringe erforderliche Höhe der Brücke entsprochen werden. Dadurch wird die Rampenlänge, bei max. sechs Prozent Steigung, verkürzt und sowohl der erforderliche Flächenanspruch als auch die Herstellungskosten der Rampenanlage minimiert. Ferner kann die nötige Durchfahrtshöhe für Schiffe bei nahezu jedem Wasserstand gewährleistet werden.

Die Beteiligten aus allen Fachdisziplinen konnten in einem intensiven Planungsdialog alle funktionalen Anforderungen und bautechnischen Erfordernisse gemeinsam mit dem hohen Gestaltungsanspruch in Einklang bringen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit konnte ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden. Die komplexe geschwungene Form, die zum Main hin offene Konstruktion und die in den Main ragende Spindel eröffnen den Nutzern der Brücke besondere Raumwirkungen und spannende Ausblicke auf den Main.

 

Die langfristige Stärkung der Freizeit- und Erholungsfunktion ist das wesentliche Ziel der drei Städte. Durch den „Brückenschlag“ soll das Potenzial durch Tagestourismus auf dem stark frequentierten überregionalen Radweg R3 (rund 170.000 Radfahrer pro Jahr) in den drei Städten erschlossen werden. Das Bauwerk ermöglicht den Bewohnern und Pendlern der angrenzenden Städte erstmals das einfache und sichere Erreichen ihrer Arbeitsplätze und Freizeitziele per Fahrrad. Die Städte, die nun direkt mit der Ölhafenbrücke verbunden werden, haben einen sehr hohen Pendlersaldo.

Seit der Eröffnung der Ölhafenbrücke im Mai 2013 wird der Abschnitt des Mainradweges im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit in der Metropolregion beworben. Die interkommunale Kooperation ist gemeinsam mit den lokalen Gewerbevereinen im Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ 2013 als Preisträger ausgezeichnet worden und führt in diesem Kontext bis Oktober Veranstaltungen durch, bei denen das Thema Radmobilität und die Verbindung und Belebung der Innenstädte im Vordergrund steht.

Preise und Auszeichnungen der Maßnahme

Im August 2013 wurde die Ölhafenbrücke als Landessieger im hessenweiten Wettbewerb „Zusammen gebaut – Leben mit Wasser“ ausgezeichnet. Das Plakat zum Wettbewerb steht für Sie auf der linken Seite zum Download bereit.

Das Brückenbauwerk erhielt im Oktober 2014 eine Auszeichnung im Rahmen des „Preises des Deutschen Stahlbaus“ vom baufroumstahl e.V.

Zudem wurde die Ölhafenbrücke beim „Deutschen Städtebaupreis 2014 – Sonderpreis 2014 Neue Wege in der Stadt“ nominiert und hat eine Auszeichnung erhalten.

Die Ölhafenbrücke erhielt eine Auszeichnung im Gestaltungspreis "Baukultur in Deutschland" der Wüstenrot-Stiftung. Im Februar 2015 erhielt die Ölhafenbrücke eine von vier Auszeichnung aus einem Bewerberfeld von über 653 bundesweiten Projekten.

In dem vom Deutschen Architekturmuseum DAM herausgegebenen DEUTSCHEN ARCHITEKTUR JAHRBUCH 2014|15 (GERMAN ARCHITECTURE ANNUAL) wird die Ölhafenbrücke als eines der herausragenden Bauwerke des Jahres gewürdigt."
 

  • Bestandsfoto | Ansicht vom Main

  • Lageplan des Brückenbauwerks

  • Abbildung: Modellfoto des Entwurfs

  • Abbildung: Lageplan des Bauwerks

  • Modellfoto des Entwurfs zum Brückenbauwerk | Ansicht vom Main

  • Modellfoto des Entwurfs zum Brückenbauwerk | Ansicht vom Main

  • Modellfoto des Entwurfs zum Brückenbauwerk | Ansicht vom Main