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Fritz-Treutel-Haus, Kelsterbach
Rathaus Raunheim
Karl-Treutel-Schule, Kelsterbach
Stadtzentrum Raunheim

Zusammenfassung Klimaschutz Raunheim-Kelsterbach

Die bundesdeutschen Ziele zum Schutze unseres Klimas können nur durch ein starkes Engagement aller Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erreicht werden. Auf kommunaler Ebene liefern Raunheim und Kelsterbach mit dem Interkommunalen Integrierten Klimaschutzkonzept und dem Interkommunalen Klimaschutzteilkonzept „Kommunale Liegenschaften“ einen ersten wichtigen Beitrag. Die Konzepte wurden im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. Ziel ist es die Akteure in beiden Städten (insbesondere den politischen Gremien und der Verwaltung) dabei zu unterstützen richtungweisende Entscheidungen zu treffen und Projekte anzugehen, die den bereits angestoßenen Prozess für mehr Klimaschutz, weniger Energieverbrauch mehr Effizienz, Wertschöpfung und erneuerbare Energien zu intensivieren. Die wichtigsten Ergebnisse aus diesem Konzept sind im Folgenden zusammengefasst.

Erstellung einer Energie- und Emissionsbilanz

Um im späteren Verlauf des Konzeptes Ziele definieren und Maßnahmen entwickeln zu können musste zunächst der Status Quo des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen auf Basis von Verbrauchsdaten des Jahres 2011 erfasst werden. Hierzu wurde eine Gesamtenergiebilanz erstellt, die sowohl alle Sektoren (Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen [GHD], Kommunen) als auch Verbrauchsbereiche (Strom, Wärme, Verkehr) umfasste. Diese Bilanzierung ergab sektorenübliche Energieverbrauchswerte. So entfielen auf den Sektor Haushalte 51 % (318 GWh), auf Gewerbe, Handel und Dienstleitungen 46 % (291 GWh) und auf die beiden Kommunen lediglich 3 % (19 GWh) der verbrauchten Endenergie. Auch die Verteilung auf die Verbrauchsbereiche enthielt keine wesentlichen Abweichungen von den zu erwartenden Werten. Anschließend wurden die drei Verbrauchsbereiche Strom, Wärme und Verkehr unabhängig voneinander betrachtet und nach Sektoren gegliedert untersucht. Im Bereich Wärme lagen die Sektoren Haushalten und GHD in etwa gleich auf – 49 % (150,9 GWh) gegenüber 46 % (147,2 GWh) – im Strombereich waren Gewerbe, Handel und Dienstleistungen die Großverbraucher mit 69 % (115,98 GWh) des Gesamtverbrauchs. Umgekehrt verhielt es sich im Bereich Verkehr, dort trugen die Haushalte 79 % (114,6 GWh) zum Energieeinsatz bei. Der Anteil der Kommunen am jeweiligen Verbrauch lag in allen drei Bereichen lediglich zwischen 2 und 4 %.

  • CO2-Emissionen

    CO2-Emissionen nach Verbrauchsbereich 2011 – Absoluter und prozentualer Wert (Eigene Berechnungen IBP)

  • Versorgungsstruktur Wärme

    Versorgungstruktur in den Kommunen Kelsterbach und Raunheim (2011), eigene Darstellung (IBP) nach NRM Dienste, Syna, Stadtwerke Mainz (Gas/Strom), Urbana (Fernwärme).

  • Heizungsbestand

    Alter des Heizungsbestands nach Öl- (links) und Gasfeuerungsanlagen (rechts), eigene Darstellung(IBP) auf Basis von Daten Schornsteinfeger (Marcus Hormel, Michael Neubert, 2013).

Ermittlung von CO2-Minderungspotenzialen

Die Minderungspotenziale wurden zum einen sektoral – Haushalte, GHD, Kommunen – untersucht. Zum Anderen wurden verschiedene Handlungsfelder beleuchtet. Auf technischer Seite wurde u. a. ein Blick auf Gebäudesanierung, Erneuerung von Anlagentechnik und energieeffiziente Beleuchtung, aber auch auf die Stärkung der Elektromobilität, geworfen.Der CO2-Austoß der kommunalen Liegenschaften und des kommunalen Fuhrparks betrug im Jahr 2011 in etwa 5.437 Tonnen. Die Untersuchung ergab, dass bis zum Jahr 2030 dieser um bis zu 66 % gegenüber 2011 reduziert werden könnte. Beim Strom ist die Reduktion in erster Linie auf den erhöhten Anteil erneuerbarer Energien im Strommix zurückzuführen. Die Reduktion im Wärmesektor erfolgt über die energetische Modernisierung der Liegenschaften. Der Ausstoß von kommunalen Fahrzeugen und der öffentlichen Verkehrsmittel könnte bis 2030 um rund 30 % auf jährlich 461 Tonnen sinken. Grund dafür ist die Weiterentwicklung von Antriebstechniken und die Umstellung der kommunalen Fahrzeugflotte auf Elektrofahrzeuge.

Entwicklung von Szenarien zur interkommunalen Energieversorgung

Zwei Szenarien wurden hinsichtlich der Entwicklung des Energieeinsatzes bis 2050 skizziert. Hierbei wurde zwischen einem Referenz- und einem Zielszenario unterschieden. Die Berechnungsgrundlage beider Szenarien waren grundlegende Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung sowie der Entwicklung im Gewerbesektor, der Energieversorgungsstruktur und des LKW-Verkehrs. Das Referenzszenario bildet dabei die Entwicklung im „business - as - usual“ Verhalten ab. Die möglichen Einsparpotenziale aus den Maßnahmen werden nicht vollständig ausgeschöpft. Im Zielszenario hingegen findet aufgrund einer gelungenen Bürgerpartizipation und Aufklärung zum Thema Klimaschutz eine vollständige Ausschöpfung der Einsparpotenziale statt.

Entwicklung und Abstimmung eines Maßnahmenkatalogs sowie einer Prioritätenliste

Die erarbeiteten Maßnahmen zur CO2-Einsparung wurden in vier große Bereiche unterteilt – private Haushalte, GHD, kommunale Einrichtungen und Infrastruktur sowie kommunale Mobilität. In mehreren Themenblöcken wurden die verschiedenen Facetten der jeweiligen Bereiche berücksichtigt. Im Vordergrund standen Maßnahmen, mit denen sich mit geringen Mitteleinsatz hohe Emissionsminderungen erreichen lassen. Hier bietet sich vor allem der Bereich ”Information, Beratung und Kommunikation” an. Beispiele sind die Verstetigung der Energie- und Bauberatung sowie Kampagnen für Energieeffizienzmaßnahmen. Die erfolgversprechendsten Maßnahmen – hinsichtlich Einsparpotenzial, politischer Signalwirkung, Breitenwirkung und Umsetzbarkeit – wurden in der sogenannten TOP 10-Liste zusammengefasst.Zur Finanzierung der Maßnahmen können weitere Akteure (zum Beispiel Kammern und Wirtschaftsverbände, Energieversorger) mit einbezogen werden. Darüber hinaus werden aber auch diverse Fördermöglichkeiten aufgezeigt.

Entwicklung eines Konzeptes für die Öffentlichkeitsarbeit und für das Klimaschutz-Controlling

Die Säulen der Öffentlichkeitsarbeit sollten die Pressearbeit, öffentlichkeitswirksame Aktionen sowie die Internetseiten der beiden Städte sein. Durch Controlling-Instrumente soll sichergestellt werden, dass das Klimaschutzkonzept in der Verwaltungspraxis implementiert und gelebt wird. Wesentliche Aufgaben des Klimaschutz-Controllings sind die Prüfung der Umsetzung und Wirksamkeit der Klimaschutzmaßnahmen sowie der Klimaschutzziele, die Gewährleistung einer fortschreibbaren Energie-/CO2-Bilanz, Information und Koordination der am Klimaschutzmanagementprozess Beteiligten und der Öffentlichkeit sowie entsprechende Dokumentationen.